Ist die Cash-Out Funktion beim Wettanbieter empfehlenswert?

17. November 2017

Sportwetten Ratgeber

In unseren regelmäßigen Ratgeber Artikeln rund um das Thema Sportwetten befassen wir uns heute mit der Cash-Out Funktion, die inzwischen bei den meisten Anbietern angeboten wird. Die Theorie ist dabei recht simpel: Genau wie während eines Spiels durch erzielte Tore oder den Zwischenstand im Allgemeinen die Live-Quoten stetig wechseln, so variiert währenddessen auch die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Tippschein aufgeht. Wetten Sie beispielsweise auf den haushohen Favoriten und der Außenseiter geht überraschend in Führung, so steigen die Live-Quoten auf den eigentlichen Favoritentipp erheblich an, während Ihre Gewinnchance deutlich sinkt. Fällt aber der Ausgleich, kann sich das Blatt ganz schnell wieder wenden.

Buchmacher, Wettbüros und Sportwetten Plattformen bieten hier die Option, Ihnen den Tippschein abzukaufen, ehe die darauf befindlichen Spiele zu Ende sind. Können dabei für Scheine, deren Wahrscheinlichkeit aufzugehen, noch sehr hoch ist, gewinnbringend verkauft werden, so sind gerade auch Scheine, bei denen favorisierte Mannschaften überraschend zurückliegen, oft noch immer für einen Teil des Einsatzes zu verkaufen, sodass Sie anstelle von beispielsweise zehn Euro Einsatz vielleicht immer noch fünf Euro zurückbekommen könnten. Schließlich könnte es ja sehr gut sein, dass der Favorit sich doch noch durchsetzt und der Anbieter Ihnen den kompletten Gewinn ausschütten muss.

Nun lässt sich dabei zu Beginn natürlich eine Sache ganz klar und deutlich festhalten: Würde die Cash-Out Funktion nicht auf lange Sicht dazu führen, dass die Anbieter noch größere Gewinne einfahren als ohnehin bereits, so hätte sich diese Installation niemals so rasant unter den verschiedenen Plattformen ausgebreitet. Noch bevor wir also ins Detail gehen, gebietet der gesunde Menschenverstand, dass bei einem Cash-Out am Ende immer das Wettbüro gewinnt. Nichtsdestotrotz gibt es Wege, wie Sie das zweischneidige Schwert namens Cash-Out zu Ihrem Vorteil nutzen können, bzw. wie Sie die Falle umgehen, die Ihnen seitens der Sportwetten Anbieter mit dieser Funktion gestellt wird.

Deshalb möchten wir Sie in dem heutigen Beitrag zunächst einmal über eben diese Falle aufklären, nachdem wir kurz und knapp noch mal darauf eingehen, wie genau die Cash-Out Funktion überhaupt funktioniert, und Ihnen abschließend die Situationen aufzeigen, in denen es durchaus empfehlenswert ist, seinen Tippschein zu verkaufen.

Wie funktioniert ein Cash-Out beim Wettanbieter überhaupt?

So richtig berühmt wurde die Cash-Out Funktion spätestens durch die Premier League Saison 2015/16. Tatsächlich hatten ein paar verwegene Fans im Vorfeld der Saison Geld darauf gewettet, dass Leicester City die englische Meisterschaft gewinnt, lag die Quote dafür doch bei 5000,00. Ein Fan namens John Pryke spielte die Wette dabei mit 50 britischen Pfund Einsatz, was ihm 250.000 Pfund eingebracht hätte. Der Sportwetten Anbieter Ladbrokes bot ihm Woche für Woche einen immer höher werdenden Betrag als Cash-Out an, nachdem sich abzeichnete, dass Leicester City tatsächlich das Rennen machen könnte. Und als der Betrag bei 29.000 Pfund angekommen war, verkaufte der Fan schließlich.

Am Ende wurde sein Verein sensationell englischer Meister und er verschenkte 221.000 Pfund, weil er die Cash-Out Funktion nutze. Hätte sich Leicester City jedoch zum Schluss noch die Butter vom Brot nehmen lassen, hätte er logischerweise gar nichts gewonnen, was ihn zu der Entscheidung hat kommen lassen, den Schein zu verkaufen. Für John Pryke war die es also eher Fluch, dass ihm überhaupt ein Cash-Out angeboten worden ist, als Segen. Ein Segen war es vielmehr für die Sportwetten Plattform, die sich dadurch nicht nur extrem hohe Auszahlungen erspart hat, sondern die auch langfristig gesehen weiter profitierte. Wegen der Geschichte, die sich wie ein Lauffeuer verbreitete, verzeichneten in der darauffolgenden Saison durch das Kunststück von Leicester City animiert nämlich etliche Sportwetten Plattformen enorme Gewinne. In nahezu allen europäischen Ligen wurden so viele Tippscheine wie nie zuvor im Vorfeld der Saison auf überraschende Meisterschaften von Außenseitern abgegeben, wobei bevorzugt jene Vereine gewählt wurden, bei denen es ebenfalls vierstellige Quoten gab.

Alleine für die Bundesliga Saison 2016/17 wurde vermeldet, dass mehrere Spieler hohe zweistellige Beträge auf die Meisterschaft von Darmstadt 98 gesetzt hatten. Der Verein stieg am Ende mit zwölf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz sand- und klanglos ab und war 57 Punkte vom tatsächlichen Meister Bayern München entfernt. Schauen wir aber anhand des Beispiels von Leicester City nun darauf, wieso der Cash-Out mathematisch gesehen Ihren Erwartungswert stark schmälert.

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Warum die Cash-Out Funktion Ihren Erwartungswert schmälert

Ein Fan setzt 50 Pfund auf eine Wette mit einer Quote von 5000,00. Angenommen, er bewertet die Wahrscheinlichkeit, dass Leicester City Meister wird, mit 0,1%, so hat die Wette (abgesehen von dem wahrscheinlich viel zu hohen Einsatz) Hand und Fuß, weil sie einen positiven Erwartungswert bietet. Dieser berechnet sich nämlich wie folgt:

50 x 5000 = 250.000 * 0,001 = 250 – 50 = +200.
Genaue Informationen zu diesen und anderen Berechnungen eines Erwartungswertes beim Sportwetten, können Sie im dazugehörigen Beitrag hier nachlesen.

Setzen Sie also beispielsweise 1.000 Mal 50 Pfund auf eine Wette, deren Wahrscheinlichkeit Sie mit 0,1% bewerten und die eine Quote von 5000,00 mit sich bringt, so machen Sie statistisch betrachtet bei jeder abgegebenen Wette 200 Pfund Gewinn (250 Pfund minus die 50 Pfund, die Sie einsetzen). Denn 999 Mal sind Ihre 50 Pfund verloren, während beim 1.000 Mal (die Wahrscheinlichkeit von 0,1% besagt ja nichts Anderes, als dass Ihre Wette ein Mal von 1.000 Versuchen aufgeht), 249.950 Pfund Gewinn erzielt werden. Unterm Strich also 200.000 Pfund insgesamt, bzw. 200 Pfund pro Wette Gewinn.

Problematisch wird es, dass Sie nur schwer 1.000 Wetten finden werden, die mit exakt diesem Potenzial einhergehen – und natürlich, dass man genau prüfen müsste, ob man einem solchen Underdog wie Leicester City auch wirklich eine Chance von 0,1% auf die Meisterschaft hätte einräumen dürfen.

Schauen wir nun aber auf die Cash-Out Funktion und wieso am Ende ausschließlich die Plattform davon profitiert hat: Weil der angesprochene Fan mit der Wette über 50 Pfund am Ende nämlich „nur“ 29.000 Pfund Gewinn eingefahren hat, hat er sich mit dem Cash-Out um seinen eigenen positiven Erwartungswert betrügen lassen. Denn rechnen wir einmal kurz nach:

29.000 * 0,001 = 29 – 50 = -31

Während der Fan – hätte er seine Wette konsequent zu Ende gespielt – pro abgegebenem Tipp letztlich 200 Pfund verdient hätte, so macht er, indem er bei dem einen Mal unter 1.000 Scheinen, die er theoretisch abgeben müsste, den Cash-Out nutzt, bei allen 1.000 Spielen jeweils 31 Pfund Verlust. Wo das Nicht-Nutzen der Cash-Out Funktion ihm 200.000 Pfund Gewinn gebracht hätte, da muss er in diesem Szenario also 31.000 Pfund bezahlen. Zumindest, wenn man es langfristig betrachtet.

Und genau hierin liegt leider auch ein Problem, mit dem viele Sportwetter zu kämpfen haben. Wer nämlich auf solche vermeintlichen Kleinigkeiten bei seinem Wettverhalten nicht streng achtet, für den sind solche astronomischen Verluste im Lauf mehrere Jahre oder auch Jahrzehnte irgendwann die bittere Realität.

Deshalb: Wenn Sie schon professionell wetten, dann lassen Sie hier nicht die Emotion über einen vermeintlich hohen Gewinn von 29.000 Pfund dazu führen, sich dermaßen um Ihren Erwartungswert betrügen zu lassen!

Gelegentlich empfehlen wir Ihnen im Rahmen unserer Beiträge zu aktuellen Sportevents hier auf unserer Seite, in bestimmten Konstellationen auf den Außenseiter zu setzen, sofern berechtigterweise ein nicht unerheblicher Prozentsatz auf den Sieg des Underdogs angelegt werden kann und in Verbindung mit guten Quoten dadurch ein hoher Erwartungswert erzielt werden könnte.

Schauen wir uns dazu ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit an. Am 17. Oktober 2017 spielte Borussia Dortmund in der Champions League auswärts bei APOEL Nikosia. Die Dortmunder hatten nur eines ihrer letzten sechs Champions League Spiele gewonnen, waren mit null Punkten aus zwei Spielen Letzter in ihrer Gruppe und hatten auch in der Bundesliga zwei Spiele in Serie nicht mehr gewonnen. Hinzu kommt noch die Statistik, dass die Heimmannschaft im Fußball weltweit hochgerechnet zu 50% aller Fälle das Spiel gewinnt. (vgl. dieser Beitrag). Selbstverständlich ist Borussia Dortmund gegen den zyprischen Meister aber der haushohe Favorit. Dennoch wäre es nicht allzu vermessen, auf das Unentschieden noch ungefähr 15% zu geben, wofür die Quote bei 7,00 lag. Der Erwartungswert liegt auch hier im positiven Bereich.

Angenommen, Sie setzen analog zum Leicester-Fan hier 50 Euro, so würden Sie jedes Mal, wenn Sie diese Wette spielen, 2,50 Euro Gewinn machen (Formel: 50 * 7 = 350 * 0,15 = 52,50 – 50 = 2,50). Zugegeben kein astronimischer Gewinn und Sie müssten überdies das Geld mitbringen, um notfalls auch 50 oder 100 Mal den Einsatz bringen zu können und dadurch nicht pleite zu gehen (bitte lesen Sie deshalb für die Wahl der richtigen Höhe Ihrer Wetten auch diesen Beitrag aufmerksam durch), aber der Erwartungswert wäre positiv. Kurzum: es würde in diesem Szenario durchaus Sinn machen, den Tipp zu spielen, der ja bekanntermaßen am Ende auch tatsächlich aufgegangen ist. Nun hätten Sie mit steigender Zeit des Spiels Ihren Tipp zunehmend teurer verkaufen können, wobei der Anbieter Ihnen garantiert erst in den letzten Spielminuten mehr als 280-300 Euro geboten hätte, wenn Sie es tun. Und selbst, wenn Sie bis kurz vor der Nachspielzeit damit warten, den Schein doch noch zu verkaufen, so hätten Sie sich bei diesem Cash-Out ebenfalls wieder Ihren positiven Erwartungswert zunichte gemacht.

Deshalb sollten Sie sich unbedingt merken, dass es bei Wetten, die Sie rein auf mathematischen Berechnungen basierend spielen, absolut tabu sein muss, die Cash-Out Funktion zu nutzen, machen Sie hierbei doch mathematisch gesehen immer Verlust – auch, wenn im Moment vielleicht ein Gewinn für Sie dabei herausspringt.

In welchen Situationen der Cash-Out empfehlenswert ist

Logischerweise können Sie den Cash-Out immer dann nutzen, sobald der Betrag Ihren errechneten, positiven Erwartungswert überstiegen hat. Gehen wir noch mal zurück zum Leicester-Fan John Pryke. Schätzungen von Experten zu Folge, hätte er bei einem Verkauf seines Scheins an gerade einmal drei Spieltagen später schon über 70.000 Pfund bekommen anstelle der 29.000 Pfund. Und bereits mit diesen 70.000 Pfund wäre er im positiven Erwartungswert gewesen. Er muss insgesamt 50.000 Pfund (mathematisch und statistisch betrachtet) investieren, um 70.000 Pfund zu gewinnen. Macht ein Plus von 20.000 Pfund, sprich von 20 Pfund pro Spiel. Ein vertretbarer Cash-Out.

Zweifelhaft bleibt in diesem realen Beispiel aber dennoch das Wettverhalten des Fans. Denn wie wir Ihnen im Beitrag zum Bankroll-Management, bzw. zur Wahl des richtigen Wetteinsatzes erklären (bitte hier klicken), müssen Sie in Abhängigkeit der errechneten Gewinnwahrscheinlichkeit auch die Höhe Ihres Einsatzes festlegen. Aus dem einfachen Grund, dass die Wahrscheinlichkeit kein Gedächtnis hat und sich erst bei besonders großen Fallzahlen einpendelt. Vereinfacht ausgedrückt: Werfen Sie einen Würfel 50 Mal, kann es mitunter vorkommen, dass Sie 25 Sechser und keinen einzigen Einser haben. Werfen Sie den Würfel aber 1.000.000 Mal, so werden am Ende alle sechs Zahlen in etwa zu um die 16,6% aufgetaucht sein. Statistik, die auf Wahrscheinlichkeitsrechnung basiert, hat nun einmal viel Spielraum in Sachen Varianz, weshalb nicht wenige Tipper, die mit zu hohen Einsätzen und unüberlegt spielen, pleite gehen, ehe sich die positiven Erwartungswerte bezahlt machen. Der Fan hätte also 50 Pfund auf diese Wette nur dann einsetzen dürfen, wenn er um die 100.000 Pfund zur freien Verfügung und zum Verwetten gehabt hätte. Und dass das nicht der Fall war, erklärt die emotionale und entgegen jeder Vernunft und Logik getätigte Entscheidung für den Cash-Out.

Empfehlenswert und auch überaus interessant wird so ein Cash-Out aber schnell bei Kombi-Wetten. Durch den Kombi-Bonus und die damit verbundenen Multiplikatoren ist der Erwartungswert bei solchen Spielen nämlich schnell in schwindelerregenden Höhen, wobei Sie natürlich auch mehrere tausend Kombi-Wetten mit hohen Ertragsmöglichkeiten spielen müssen, um ein Mal den Jackpot zu knacken. Eine mögliche Herangehensweise zeigen wir Ihnen übrigens hier (bitte anklicken).

Und sind beispielsweise auf einem sehr riskanten Tippschein auf einmal schon neun von zehn Tipps richtig und im letzten Spiel brauchen Sie erneut eine eher unwahrscheinliche Situation, in der ein weiterer Außenseiter den Favoriten entzaubern müsste, dann dürfte der Cash-Out Betrag mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schon weit über dem positiven Erwartungswert liegen, wodurch die Entscheidung pro Cash-Out hier durchaus getroffen werden darf.

Unser Tipp in diesem Zusammenhang: Berechnen Sie bei jedem Kombi-Wetten-Tippschein den exakten Erwartungswert gleich mit den Zahlen, mit denen Sie ihn gespielt haben, und notieren Sie sich diesen Wert. So können Sie während der Spiele (denn die Cash-Out Funktion wird in der Regel im Live-Modus genutzt) sofort nachschauen, ob der Cash-Out mathematisch gesehen rentabel ist oder nicht. Und genau auf diese Weise hätte der oft genannte Fan John Pryke vor zwei Saisons erkannt, dass er seinen waghalsigen Tippschein auf Leicester City eigentlich noch nicht hätte verkaufen dürfen.

Die Cash-Out Funktion – unser Fazit

In diesem Beitrag haben wir für Sie ausführlich die Cash-Out Funktion besprochen und ihnen die Tücke gezeigt, die dieser Option zu Grunde liegt. In den allerseltensten Fällen sollten Sie dabei von der Cash-Out Funktion Gebrauch machen, gehört Sie doch zu eben jenen emotionalen Stolpersteinen, die dazu führt, dass Sie langfristig mit Sportwetten keinen Erfolg haben werden. Deshalb zum Abschluss noch eine letzte Leseempfehlung: Lesen Sie in diesem Beitrag (hier klicken), wie Sie langfristig erfolgreich mit Köpfchen wetten! Dabei kann Ihnen in seltenen Fällen die Cash-Out Funktion auch mal helfen. Wie hier hoffentlich aufgezeigt, sind diese Situationen aber sehr überschaubar.




Die genannten Angebote sind möglicherweise auf Neukunden beschränkt oder nicht mehr gültig. Es gelten die AGB des Wettanbieters. Genaue Details ersehen Sie bitte direkt aus der Webseite des Wettanbieters. Alle Tipps basieren auf der persönlichen Meinung des Autors. Es gibt keine Erfolgsgarantie. Bitte wetten Sie mit Verantwortung. 18+

* Alle angegebenen Wettquoten waren zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels gültig. Jede Wettquote unterliegt Schwankungen. Bitte überprüfen Sie die aktuellen Quoten beim jeweiligen Wettanbieter!

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